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Sportgroßveranstaltungen. Keine Bühne für Diktatoren.

4. Mai 2021 by TeamVvC_sc

Es war mir bei diesem dreistündigen Event ein Anliegen, Fragen zu stellen und zuzuhören und den verschiedenen Perspektiven eine Gelegenheit zu geben, gehört zu werden. In Anbetracht der Entwicklung insbesondere der letzten drei Jahrzehnte von Sportgroßereignissen ist vollkommen klar, dass dringend eine neue Strategie für solche Veranstaltungen gebraucht wird. Die Vergabe ist immer stärker von Profitmaximierung und Kommerzialisierung beeinflusst und wird zur politischen Instrumentalisierung und Legitimation ausgenutzt. Dies ist weit weg davon, wie zum Zeitpunkt, als beispielsweise der Olympische Geist von Baron Coubertin 1888 ins Leben gerufen wurde: das Ziel war seinerzeit, ein Sportevent abzuhalten, das den Sport für alle zugänglich macht und fördert.

Diese Mega-Events finden heutzutage vielfach in diktatorisch oder nicht echt-demokratisch regierten Ländern statt. Ich habe dieses Thema zur öffentlichen Diskussion gestellt, zunächst mit dem Auftakt im deutschen Raum mit einer großen Bandbreite von acht Sport-Akteuren und zwei Grünen Sport-Politiker:innen, Oliver Camp und mir.

Zum Tragen kommen in der Vorbereitung der jeweiligen Veranstaltungen in den ausgewählten Ländern häufig, dass Stadien und andere Gebäude nachweislich unter menschenunwürdigen Bedingungen geschaffen werden, Materialbeschaffung nicht nachweislich nachhaltig oder entsprechend der Forderungen für Kreislaufwirtschaft gestaltet wird und somit die Umweltbelastung enorm ist. Im Nachgang solcher Events stehen eigens dafür errichtete Sportanlagen und Hotels oft ungenutzt leer und verkommen.

Grundsätzlich stehen wir in vielen der mittlerweile ausrichtenden Länder vor riesigen Herausforderungen, was die Einhaltung von gewissen Mindeststandards eingeht, die oftmals zwar bei Bewerbung betrachtet werden, allerdings ohne anschließende Konsequenzen bei Nichteinhaltung. Ich fordere, dass diese Standards im Vorfeld genauer zu prüfen sind und als Ausschluss-Kriterien dienen, dass klare und drastische Konsequenzen mit der Nichteinhaltung einhergeht oder aber das gesamte Modell von Sportgroßereignissen grundsätzlich zu überdenken gilt.  Sportliches Spektakel und Konsum dürfen nicht über Grundrechten und Schutz vor Misshandlungen an Frauen, Kindern, Minoritäten und anderen Personen stehen.

In dieser Diskussion habe ich auch die Frage danach gestellt, inwiefern die verschiedenen Akteure die Verantwortlichkeit einschätzen, eigene Verantwortung als auch die anderer und von wem bei was. Insbesondere in Hinblick auf die dramatischen und glaubwürdigen Vorwürfe gegen China in Bezug auf die systematische Verhinderung von Fortpflanzung als auch drastischen Einschränkung für ein normales Leben von der Minorität der Uiguren bringt mich dazu, eine Strategie zu fordern, wie man künftig effektiv mit Sportgroßveranstaltungen umgeht, anstatt uns von einem zum nächsten zu hangeln, immer wieder mit Rufen für einen Boykott oder anderen Aktionen, mit Gegenwehr der Verbände und Ausrichterstaate. In diesem Sinne bin ich der festen Überzeugung, der Sport muss die Politik zwingend ganz viel angehen, ohne ihn sich zum Instrument zu machen, sondern die Rolle eines Schutzschildes aber auch Lenken des Sports einzunehmen.

Ergebnis der Aussagen und des weiteren Austauschs zwischen Sportakteuren zunächst aus Wissenschaft und von Athletinnen, Vermischen von Sport und Politik und Positionierung des Sports,

Themen, die ich in dieser Diskussion und weiterführend im Bereich Sport beleuchten möchte, sind unter anderem: Sportstrukturen, die kaschiert werden, Fragen von Funktionären und Lobbyisten in der Politik, wie man die Erwartungen der Zuschauer:innen wieder besser erfüllen kann, als das derzeit der Fall ist und wie wir Sportler:innen wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit setzen können.

Dabei spricht Herr Professor Dr. Gebauer über das Vergabeverfahren und erklärt ein Phänomen gewisser Ähnlichkeiten im Habitus, wenn man Autokratien in ihren Strukturen mit denen des Sports als Institution vergleicht. Zur Fragestellung um die Verantwortung Er sagt: Kein Staat bewerbe sich aus Liebe zum Sport für diese Art Ereignisse, es gehe immer um eine wichtige politische Bedeutung: Wirkung nach außen als auch nach innen.

Erstes Panel:

  • Die wissenschaftliche Perspektive von Sportexperte Professor Dr. Gunter Gebauer
  • Die Sportlerin:innen Eric Franke und Imke Duplitzer
  • Rechtliche und institutionelle Unterstützung von Athlet:innen durch Maximilian Klein von Athleten Deutschland e.V.

Die weitere Diskussion des ersten Panels dreht sich viel um die Sicht der Athlet:innen und der Verantwortung als auch der vertrackten Lage, Teil des Systems zu sein und welche Schwierigkeiten damit verbunden sind, in Bezug auf Wahrung der Meinungsfreiheit und Menschenrechte der Beteiligten aber auch Landsleute vor Ort.

Die zweite Diskussionsrunde wird eingeleitet von Frau Grit Hartmann, Investigativ-Journalistin und erfahren in China-Recherchen, unter anderem vor Ort. Sie bezieht klar Position und sagt, an Peking muss die Grenze gezogen werden, die Spiele dürfen ihres Erachtens nach nicht in China stattfinden. Zu viele leere Versprechen seien bereits 2008 gemacht worden, ohne sie jemals einzulösen, im Gegenteil, mittlerweile wissen wir von dem Genozid, der dort vollzogen wird, die Fakten lägen auf dem Tisch: Es gibt die Beweise für Arbeitslager im großen Maßstab und die damit verbundenen schweren Menschenrechtsverletzungen. Sie versteht, dass es für Verbände wichtige Gründe gebe, in China ein solches Event abzuhalten, die aber weit weg von „vertretbar“ seien. Zumal, wenn man Menschenrechtsverteidiger*innen vor Ort befragt, sei eines ganz klar: Durch die Spiele wird alles, was eh schon schwer ist, noch schwerer.

Zweites Panel:

  • Investigativ-Journalistin Grit Hartmann – Menschenrechte
  • Professor Dr. Dirk Pleiter für Amnesty International – Menschenrechte
  • Professor Dr. Wolfgang Maennig als Vertretung der Wirtschaftspolitik und Sport
  • Christopher Ramm als Stimme der Fans mit Fan-Blog Miasanrot.de

Menschenrechtsverletzungen wurden im zweiten Panel klar adressiert und besprochen. Entgegen mancher Behauptung, dass diese Darstellung in Frage gestellt werden sollte, wurde hier von Experten ganz klar gesagt: Es darf nicht mehr diskutiert werden, ob, sondern nur noch wie man damit umgeht und hilft. Ein spannender Diskurs zwischen den verschiedenen Akteuren, wo beispielsweise Stimmen klar ausdrücken, dass ein Boykott klar der falsche Weg wäre, um gegen die Menschenrechtsverletzungen vorgehen und darauf aufmerksam machen zu können. Man muss davon ausgehen, dass China einen Boykott eher für eigene Zwecke nutzen würde, um sich weiter auf nationalistischer Ebene zu stärken. Es geht auch um die Aufgabe der Aufklärung und wie sich Fans verhalten können, um Einfluss zu nehmen als auch positiv zu wirken und wie sie sich informieren.

Abschluss-Statements:

Oliver Camp: Wir bewerten es negativ, wenn der Sport für die falsche Sache instrumentalisiert wird. Wir sehen auch die Herausforderung, wie schwierig es ist, das zu verhindern. Als Grüne haben wir uns auf Bundesebene im März 2021 positioniert und für Sportgroßveranstaltungen ausgesprochen, solange sie gewisse Rahmenbedingungen einhalten. Wir denken, dass diese Veranstaltungen das Potential haben, viel Positives zu erreichen. Wir haben dazu Bedingungen formuliert, demokratisch, transparent und klimaneutral – auf letzteres sind wir heute noch gar nicht eingegangen. Wir brauchen die Vielstimmigkeit der Gesellschaft gegenüber den Profiteuren, im weitesten Sinne im globalen die Sponsoren, die auf den Image-Transfer hoffen, da ist deutlich geworden, dass wir im Sport wirken und Einfluss nehmen können und das auch ausdrücklich wünschen.

Ich habe geschlossen mit der Darstellung, dass wir im Europäischen Parlament sehr aktiv diese Thematik diskutieren, verschiedene Resolutionen zu Menschenrechten und Zwangsarbeit verabschiedet haben. Zudem wurde gerade wieder eine Debatte mit Botschaftern der Arabischen Halbinsel und Experten für Menschenrechte und Sport, am Beispiel der Weltmeisterschaft Katar initiiert. Gesetzliche Rahmenbedingungen müssen für den gesamten Binnenmarkt geschaffen werden, dazu erarbeiten wir gerade ein Lieferkettengesetz. Wir wollen aber einen schärferen gesetzlichen Rahmen schaffen, mit dem Plan für ein „Gesetz gegen Zwangsarbeit“, das sich nicht nur an die Ebene der Unternehmen richtet, sondern an die staatliche Ebene und noch einmal deutlich über das Lieferkettengesetz hinausgeht.

Vielen Dank auch an dieser Stelle noch einmal für die Beteiligung an alle Panelisten und Zuschauer:innen für die Fragen und Beiträge. Das Event ist in voller Länge auf meinem YouTube-Kanal zu sehen.

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