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Online-Konferenz: Wasser – Das Gold der Zukunft?

25. Februar 2021 by greenhorninberlin

Klimawandel und Wasserknappheit sind seit einigen Jahren im Harz verstärkt spür- und sichtbar geworden. Für die Wasserwirtschaft ist daher klar: Das Wasserdargebot des 21. Jahrhunderts wird nicht in dem bekannten Verfügbarkeits- und Schwankungsbereich bleiben. Wie sich die Wasserverknappung auf verschiedene Bereiche auswirkt und wie ein möglicher Paradigmenwechsel aussehen könnte, diskutierten die Teilnehmer*innen der Online-Konferenz „Wasser – das Gold der Zukunft. Debatte über den Harz als größten Wasserspeicher Mitteldeutschlands“, zu der Viola von Cramon, GRÜNE Europaabgeordnete, eingeladen hatte.

Am Freitag, den 19. Februar 2021, kamen bei der Online-Konferenz „Wasser – das Gold der Zukunft. Debatte über den Harz als größten Wasserspeicher Mitteldeutschlands“ Akteure aus Politik, Wissenschaft, Wasserwirtschaft, Land- und Forstwirtschaft zusammen, um ihre jeweiligen Perspektiven für nachhaltige Lösungen in der Wasserwirtschaft vorzustellen. Im Mittelpunkt standen dabei die Veränderungen im nördlichsten Mittelgebirge Deutschlands, dem Harz.

Mit Prof. Dr. Claudia Dalbert, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie Sachen-Anhalts, Anja Siegesmund, Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz Thüringens, der zuständigen Referatsleiterin der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission Bettina Doeser, dem technischen Geschäftsführer der Harzwasserwerke Dr. Christoph Donner war die Veranstaltung prominent besetzt und sie erfreute sich außerdem regen Publikumsinteresses. Über 170 Teilnehmer*innen waren der Einladung der Europaabgeordneten gefolgt und viele unter ihnen machten auch von der Möglichkeit Gebrauch, Fragen an die Expertinnen und Experten zu stellen. Hauptanliegen der Gastgeberin Viola von Cramon waren Austausch und Verknüpfung zwischen den drei Bundesländern sowie der unterschiedlichen Disziplinen, die häufig um die Wassernutzung konkurrieren. Mit ansteigenden Temperaturen und zunehmenden Trockenperioden werden neben privaten Haushalten vor allem Landwirtschaft, Forst und Industrie in eine wachsende Nutzungskonkurrenz um die knapper werdende Ressource Wasser eintreten.

Für Anja Siegesmund, Umweltministerin Thüringens, stellte sich aus dem historischen Kontext zunächst einmal die Frage, wie denn ein Harzer Wasserregal in der heutigen Zeit aussehen könnte? Nach welchen Regeln und Kriterien würde ein solches heute gebaut?

Aus ihrer Sicht müsse die Grundwasserqualitätsverbesserung immer das oberste Gebot sein. In Thüringen befindet sich zwar ein Fünftel der Talsperrenkapazitäten Deutschlands, aber das bedeute nicht, dass die Reinhaltung des Grundwasserkörpers zu vernachlässigen sei.

Das Ministerium erarbeitet derzeit eine Niedrigwasserstrategie. Wenn aufgrund der Dürreperioden die Neubildung von Grundwasser in oberflächennahen Schichten ausbleibt, komme es zu Nutzungskonflikten. Die Trinkwasserversorgung müsse Priorität haben, doch der Wald, Landwirtschaft und Industrie sind gleichermaßen auf Wasser angewiesen. Den Mengenverbrauch gilt es unter diesen Umständen durch eine faire Preispolitik zu regulieren.

Das Ministerium baut zudem zusätzliche wissenschaftlich-analytische Kapazitäten im Ministerium auf und investiert in Hochwasserprävention.

Dr. Christoph Donner, technischer Geschäftsführer der Harzwasserwerke, richtete den Blick der Konferenzteilnehmer*innen auf die Zukunft und warb dafür, sich bereits jetzt mit der Situation in 30 oder 70 Jahren auseinander zu setzen. Die Simulationen für 2050 oder sogar für 2100 müssten jetzt berechnet werden, damit die richtigen Maßnahmen eingeleitet werden können. Er plädierte für einen wasserpolitischen Paradigmenwechsel, für weitere Speichermöglichkeiten, vor allem unterirdisch, aber auch die Steigerung der Effizienz der bestehenden Anlagen.

Bettina Doeser, Referatsleiterin in der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission, sprach über die Bedeutung von Wasser auf europäischer und globaler Ebene. Wasserkrisen gehören mittlerweile zu den größten Risiken für Wirtschaft und Gesellschaft. So überrasche es nicht, dass die aktuelle EU-Ratspräsidentschaft Portugal „Wasser“ zum Schwerpunkt-Thema ihrer Ratspräsidentschaft ab Januar 2021 erklärt hatte. Sie verwies darauf, dass im April 2021 ein Europäischer Rat geplant ist, der sich vornehmlich diesem Thema widmen soll und in wenigen Tagen, am 24. Februar 2021, die Europäische Kommission eine neue Klimaanpassungsstrategie veröffentlichen wird.

Der Limnologe Dr. Karsten Rinke vom Forschungszentrums UFZ in Magdeburg präsentierte die Teilergebnisse seiner aktuellen Forschung; wie zum Beispiel die eigens erhobenenen Daten zur Niederschlagsanomalie der letzten drei Sommer, die Auswirkungen auf eine deutlich geringere Grundwasserneubildung und eine starke Erwärmung im Talsperrenbereich zur Folge haben wird. Das aquatische Ökosystem der Binnenseen werde sich durch den Klimawandel insgesamt stark verändern.

Dr. Friedhart Knolle, Vorsitzender des BUND Westharz, unterstrich, dass der schneereiche Winter nichts an der kritischen Gesamtbilanz verändert habe: Für den Harzer Fichtenwald sei es schlichtweg zu trocken. Eine gewisse Abhilfe würde der Aufbau klimastabilerer Misch- und Laubwälder schaffen und die Filterfunktion des Waldes könnte so ausgebaut werden. Darüber hinaus müssten die Harzer Wasserspeicher verknüpft werden – neue Talsperren hingegen würden das Problem im Hinblick auf die intakten Wasserökosysteme nicht lösen. Ein Punkt, in dem sich im Grunde fast alle Sprecher*innen im Spektrum der Grünen einig waren. Dr. Knolle unterstrich, wie wichtig der sorgsame Umgang mit Wasser für den Erhalt von Ökosystemen sei. Für eine bessere Steuerung sei eine deutlich bessere Ausstattung der Unteren Wasserbehörden nötig. Bislang sei der Wasserrückhalt in der Bauordnung nicht vorgeschrieben. Auch Anreize für ein flächensparendes Bauen müssten endlich geschaffen werden.

Laut der Umweltministerin Sachsen-Anhalts Prof. Dr. Claudia Dalbert muss vor dem Hintergrund, dass lokale ökologische Probleme von Prozessen in der Ferne beeinflusst werden, das oberste Ziel sein, den menschgemachten Klimawandel zu begrenzen. Ihr Ministerium hat hierfür bereits 2019 ein Klima- und Energiekonzept mit 72 konkreten Maßnahmen vorgelegt. Damit werde in Sachsen-Anhalt erstmals ein Ansatz verfolgt, der Vorschläge zur Einsparung von Treibhausgasemissionen unterbreitet und dabei auch den Energiebereich mit einbeziehe. Die Rappbodetalsperre spiele bei der Umsetzung der Vorhaben eine wichtige Rolle, denn sie allein liefere 37 Prozent des Trinkwassers für Sachsen-Anhalt und versorge insgesamt 1,1 Mio. Menschen mit Wasser.

Im weiteren Verlauf der Online-Konferenz wurden die Grenzen und Chancen einer effektiveren und nachhaltigeren Wassernutzung in der Landwirtschaft mit Doreen Rath, Geschäftsführerin einer Agrargenossenschaft in Südthüringen und Vorsitzende des Landschaftspflegeverbands Altenburger Land, sowie dem Vize-Präsidenten des Niedersächsischen Landvolks Ulrich Löhr diskutiert. Viel hänge vom Organisationsgrad der Landwirte und dem Ausbau integrierter Ansätze ab, die effiziente Bewässerungssysteme mit der hochwasserpräventiven Landschaftspflege verbinden. Allerdings dürfe auch nicht vergessen werden, dass Maßnahmen zur Verbesserung des Grundwassers vor allem in den sogenannten Roten Gebieten nicht unmittelbar, sondern häufig erst nach einer Generation wirken, wenn das Oberflächenwasser in den unteren Schichten als Grundwasser wieder ankomme.

Mathias Schlawitz, Vorstandssprecher von B90/GRÜNE in Goslar stellte die kommunalpolitischen Perspektiven in der Umsetzung der Umweltziele vor: „Das Wasser von Morgen, müssen wir heute schützen und die Menschen dabei mitnehmen. Dazu gehört eine Renaturierung der Bäche und Flüsse, zum Hochwasserschutz und zur Schaffung von Überflutungsflächen; und die Speicherung in Kavernen, Teichen und Zisternen.“

Als Fazit zieht die Organisatorin Viola von Cramon, MdEP, dass die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Ebenen verstärkt und institutionalisiert werden müsste. Die Szenarien in 2050/2100 und mögliche Klimaanpassungsstrategien müssten jetzt mit den Menschen in der Region gemeinsam diskutiert werden, um Verständnis für eine andere Preisstrategie zu werben, um Wasserkreisläufe für die Zukunft resilient gestalten zu können und ebenso die technischen Vorrichtungen frühzeitig auf den Weg zu bringen.

Viola von Cramon zum wasserpolitischen Paradigmenwechsel: „Auch wir als Verbraucher*innen können unseren Beitrag zur Wassereinsparung leisten und unsere aktuellen Wassernutzungsgewohnheiten überdenken. Im Grunde hat jede*r von uns damit auch einen Hebel, den persönlichen Wasserfußabdruck zu verkleinern. Ernährungsgewohnheiten haben enorme Auswirkungen auf den Wasserverbrauch. Eine wichtige Rolle für die Wassereinsparung spielt die Reduzierung des Anteils tierischer Produkte an der Ernährung.“

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